„Skulls Example“ von Dear Nora

Für eine gewisse Sorte Musiknerds ist Dear Nora eine Herzensangelegenheit. Die zu einem Soloprojekt gewordene Kultband aus Portland aus den frühen 2000er steht wie keine zweite für eine entwaffnende emotionale Ehrlichkeit, die direkt unter die Haut geht. Nachdem es nun ein gutes Jahrzehnt um Dear Nora still war, meldete sich das einzige konstant gebliebene Bandmitglied Katy Davidson zurück, zuerst mit einer Tour und schon bald mit neuer Musik. Beim Anhören des neuen Albums Skulls Example geht es einem, wie wenn man eine alte Bekannte nach langer Zeit wieder trifft: Vieles ist vertraut, aber noch viel mehr hat sich geändert. Davidson ist es dabei gelungen, eine neue Reife in Dear Nora einzubringen. Anstelle von Liedern, die direkt aus einem Tagebuch hätten stammen können, trifft man hier präzis konstruiertes, zuweilen sperrig gehaltenes Songwriting an. Davidson gibt wenig von sich preis, vertieft sich aber umso mehr in ihre Umwelt, die einem auf Skulls Example zugleich fremd und vertraut vorkommt. Geblieben ist aber die Wärme, die Dear Nora schon früher kennzeichnete – und diese Wärme lädt dazu ein, sich in die rätselhafte Welt von Skulls Example zu vertiefen.

Ausgewählt von Simeon Thompson

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